Geschichte 1972-1996
Damenfussball hat in Therwil eine Tradition
Wenn in der Region Nordwestschweiz von Damenfussball gesprochen wird, so fällt fast automatisch der Name Therwil, denn fussballspielende Frauen haben in der Baselbieter Gemeinde eine Tradition.
Am 24. April 1970 wurde in Bern die Schweizerische
Damenfussball-Liga (SDFL) gegründet und knapp zwei Jahre
später, am 12. März 1972, wurde in Therwil ein
Damen-Fussballclub als Untersektion des FC Therwil ins Leben
gerufen. Schon in der Saison 1972/73 nahm dann erstmals eine
Therwiler Damenmannschaft an der Meisterschaft in der 2. Liga
(unterste Damenliga) teil. Gründungspräsident Max Derendinger
war in dieser Saison Trainer und übte auch sonst alle
Funktionen des jungen Vereins aus. Max Derendinger amtierte
dann auch noch als Präsident, als 1975 erstmals ein Vorstand
für den DFCT gewählt wurde. Die Mitglieder damals
hiessen:
Präsident:
Max Derendinger
Vizepräsidentin:
Doris Gunzinger
Sekretärin:
Monika Saladin
Beisitzerin:
Adriana Lasco
Capitain:
Catherine "Bubi" Kern
Trainer:
Ernst Dollinger
Der DFC Therwil in der Saison 1975/76
Stehend v. l.: Max Derendinger (Präsident), Renate Stöcklin, Rebecca Jäggy, Ursula Fisch, Verena Widmer, Catherine Meyer, Claudia Higy, Pierette Meister, Waltraut Gschwind, Ernst Dollinger (Trainer).
Kniend v. l.: Cornelia Kern, Doris Gunzinger, Monika Weber, Pia Goldschmid, Anne Crétin, Priska Hagmann, Catherine Kern
Max Derendinger blieb bis im Dezember 1978 im Amt, bis er dazumal erstmals durch eine Präsidentin, nämlich Ruth Graf, abgelöst wurde. Ernst Dollinger blieb Trainer bis zur Saison 1980/81.
Aufstieg in die 1. Liga
Der junge Verein feierte bald die ersten Erfolge, gelang doch schon in der Meisterschaft 1976/77 der Aufstieg in die 1. Liga. In der ersten Saison nach dem Aufstieg gelang dem Team von Trainer Ernst Dollinger gleich ein feiner 3. Rang. In derselben Saison stiessen die Damen des FC Therwil bis in den Schweizer Cupfinal vor und unterlagen dort dem DFC Bern mit 3:1.
Zwischenzeitlich folgte eine Flaute, was schliesslich in der Saison 1983/84 mit dem Abstieg in die 2. Liga endete. Es vergingen einige Jahre des Aufbaus, bevor 1988 der Aufstieg in die Nationalliga (nur eine Gruppe) gefeiert werden konnte. 1990 erfolgte dann in der Schweizerischen Damenfussball-Liga die Aufteilung der Nationalliga in eine Nationalliga A und eine Nationalliga B. Der DFCT schaffte leider die Qualifikation in die A-Gruppe nicht und musste die Saison 1990/91 in der NLB in Angriff nehmen. Nach einem vierten Rang folgte bereits ein Jahr später der Aufstieg in die NLA.
Doch ausgerechnet im Zeichen des sportlichen Erfolges folgte die grösste Zerreisprobe des gerade zwanzig Jahre alt gewordenen Vereins. Damit sich die Fussballerinnen in der obersten Liga halten können, wurde ein qualifizierter Trainer gesucht und in der Person des Deutschen Christoph Ebner auch gefunden.
Dieser verfolgte ehrgeizige Ziele und erhöhte gleich die Trainingsrationen von zwei auf drei Einheiten pro Woche. Der ehrgeizige Trainer stiess aber mit seinen Methoden nicht allesamt auf Beliebtheit und schliesslich war man sich im Vorstand einig, dass man den Vertag mit dem Coach auf Saisonende auslaufen lassen würde.
Dies gefiel jedoch einigen Spielerinnen nicht und sie stellten sich hinter den Trainer. Das war wiederum Anlass für den Vorstand den Trainer sofort zu entlassen und die aufmuckenden Spielerinnen wegen vereinsschädigendem Verhalten auszuschliessen sowie das Team mitten in der Saison aufzulösen. Ein Schritt, der damals in den Medien ein grosses Echo auslöste.
Der Verein gründete dann erst wieder auf die Saison 1994/95 eine Aktivmannschaft, welche logischerweise in der 2. Liga beginnen musste. Die Spielerinnen rekrutierten sich hauptsächlich aus der eigenen Juniorinnenabteilung, welche 1990 ins Leben gerufen wurde. Pünktlich zum Jubiläum des Stammvereins stiegen die jungen Damen in die 1. Liga auf, ein grosser Erfolg so kurz nach dem Neustart.
Die Damen des DFC Therwil machten aber ansonsten mehr positive, denn negative Schlagzeilen. So findet beispielsweise auch das internationale Damenfussballturnier weiterhin grosse Beachtung, welches seit der Gründung, also seit 1972 durchgeführt wird.
Mit der Gründung der Juniorinnenabteilung und der Auflösung der Aktivmannschaft wurde 1993 die Form dieses Turnieres geändert. Seit dannzumal findet neben dem eigentlichen Damenturnier auch ein Juniorinnen- und Seniorenturnier der Männer statt. Die Mischung des Turnier mit den "alten" Herren findet seither allgemeine Zustimmung.
Um den Nachwuchs braucht sich der DFC ganz offensichtlich keine Sorgen zu machen. Hier sieht man die Juniorinnen im Jahre 1995 anlässlich eines Trainingslagers in Lenk im Simmental.
Immer wieder wurden Spielerinnen des DFCT in die Schweizer Nationalmannschaft einberufen. Seit der Gründung im Jahre 1972 erhielten folgende Spielerinnen ein Aufgebot für internationale Aufgaben:
Ruth Graf
Catherine Kern
Pia Goldschmid
Catherine Hepp
Barbara Kunz
Ursula Fisch
Loredana Walther
Silvia Jegge
Patrizia DÈcorvet
Katja Zimmermann
Sandra Aschwanden
Beatrice Fahrni
Evelyne Marti
Dank dem Damenfussball kam die Gemeinde Therwil gar zu Länderspielehren. Unter der Organisationsleitung des DFC Therwil in Zusammenarbeit mit dem Fussballverband Nordwestschweiz fand am 23. Mai 1995 ein Länderspiel gegen Deutschland statt. Für die Deutschen Spielerinnen war es der letzte Vorbereitungstest zur kurz darauf stattfindenden Fussballweltmeisterschaft in Schweden, wo sie letztendlich im Finale den Norwegerinnen mit 2:0 unterlagen.
Am 23. Mai 1995 kam der Känelboden dank dem DFC Therwil zu Länderspielehren. Vor 900 Zusachauern fand das Damen-Länderspiel Schweiz - Deutschland (0:8) statt.
Bild links: Im Hintergrund die Deutsche Bank mit Trainer Gero Bisanz (stützt Kopf auf Hand). Im Vordergrund im Trainingsanzug Therwils Spielerinnen Eveline Fisch (links) und Sylvia Zimmermann (rechts).
Bild rechts: Das Vorspiel lautete: DFC Therwil - Schweizer Nationalmannschaft U21 (1:8). Chantal Bendl (Nr.9) und Sylvia Zimmermann (Nr.4) im vollen Einsatz.
Die neue Sportanlage Känelboden lieferte für ein solches Ereignis den idealen Rahmen. Vor 900 begeisterten Zuschauern unterlagen die Schweizerinnen mit 0:8 erwartungsgemäss deutlich. Im Vorspiel durften Therwils Fussballdamen gegen die Spielerinnen der Schweizer U21 Auswahl antreten und schlugen sich mit einer 1:8 Niederlage sehr achtbar.Für die junge 2. Liga-Mannschaft ein wertvolles Erlebnis.
Auch fünf Ehrenmitglieder sind zu verzeichnen und es erstaunt nicht, wenn man die Länderspiel-Liste mit der Nachstehenden vergleicht und drei Namen davon wiederfindet. Die Ehrenmitglieder heissen:
Cornelia Lauener-Kern seit 1984
Claudia Higy seit 1989
Catherine Kern seit 1990
Ursula Fisch seit 1990
Ruth Graf seit 1992
Auch an verschiedenen internationalen Turnieren im In- und Ausland erreichten die Fussballerinnen beachtliche Erfolge. So gab es Siege in Stuttgart (1976), beim eigenen Turnier (1981), bei einem Hallenturnier in Willisau (1983) und einen weiteren Erfolg in Spöck/Deutschland (1988).
Ausser der bereits erwähnten Cupfinalteilnahme 1980 stiessen die Therwiler Frauen im Schweizer Cup noch einmal in den Halbfinal vor (1981) und zweimal war im Viertelfinal Endstation (1977/1983).
Die Präsidenten des DFCT seit 1972:
1972 - 1978 Max Derendinger
1978 - 1980 Ruth Graf
1980 - 1982 Peter Senft
1982 - 1983 Stephan Kratzer
1983 - 1984 Cornelia Kern
1984 - 1989 Claudia Higy
1989 - 1994 Felix Kern
1994 - 19?? Jörg Bendl
Grosse Freude herrschte bei der Damenabteilung im Jubiläumsjahr des FCT, denn genau zu diesem Zeitpunkt schafften die Damen den Aufstieg in die 1. Liga. Diese Frauen erkämpften sich den tollen Erfolg:
Stehend v.l.: Jörg Bendl (Präsident), Sylvia Zimmermann, Nadia Iuliano, Priska Oser, Evelyn Zimmermann, Tanja Imhof, Barbara Holzer, Marisa Veccia, Nicole Holeci, Eliane Stöcklin, Christine Rullo (Betreuerin), Maruschka Müller.
Sitzend v. l.: Chantal Bendl, Eveline Fisch, Monika Laffer, Catherine Kern, Silvia Jegge, Heinz Schweighauser (Trainer).
Text und Bild aus dem Buch "Therwils Fussballgeschichte",
erschienen 1996 zum 50 Jahr Jubiläum des
FC Therwil
Geschichte 1996 -
Hier wird mit der Zeit ein weiterer Teil der Geschichte folgen.